„Die Frage nach Ort und Grenze der Verantwortung hat uns
auf den Begriff des Berufes geführt. Diese Antwort besteht
nur dort zu recht, wo der Beruf gleichzeitig in allen seinen Dimensionen
verstanden wird. … Bin ich zum Beispiel Mediziner,
so diene ich nicht nur im konkreten Fall meinem Patienten,
sondern zugleich der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und
damit der Wissenschaft und der Wahrheitserkenntnis überhaupt.
Obgleich ich praktisch diesen Dienst an meiner konkreten
Stelle, also zum Beispiel am Krankenbett des Patienten,
versehe so behalte ich doch die Verantwortung für das Ganze
im Auge und nur so erfülle ich meinen Beruf. Dabei kann es
dazu kommen, daß ich als Arzt auch meine konkrete Verantwortung
einmal nicht mehr am Krankenbett, sondern zum Beispiel
im öffentlichen Eintreten gegen eine die medizinische
Wissenschaft, oder das menschliche Leben oder die Wissenschaft
als solche bedrohende Maßnahme erkenne und erfüllen
muß. Gerade weil Beruf Verantwortung ist und weil Verantwortung
eine ganze Antwort des ganzen Menschen auf das Ganze
der Wirklichkeit ist, gibt es kein banausisches Sichbeschränken
auf die engsten Berufspflichten; eine derartige Beschränkung
wäre Verantwortungslosigkeit.“[2]

[2] Bonhoeffer, D.: Ethik, DBW Band 6, Seite 293 f.